Newsletter: Konferenz
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Newsletter vom 18.12.2008
transmediale.09
DEEP NORTH
28.01. - 01.02.2009
Haus der Kulturen der Welt
Berlin, John-Foster-Dulles-Allee 10
Konferenz
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1. Das Denken und das Handeln - Kulturelle Perspektiven im Wandel
2. Hot Spots
3. Eroeffnung der Konferenz
4. Politische Grenzen - Kulturelle Moeglichkeiten
5. Klimawandel als geopolitischer Umbruch
6. Umwelt und Gesellschaft 2.0
7. House of Happiness Brunch
8. Interventionen zwischen Kunst, Industrie und Politik
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1. Das Denken und das Handeln - Kulturelle Perspektiven im Wandel
Der Klimawandel laesst sich als ein anthropologischer Prozess betrachten, der soziale und kulturelle Strategien erfordert, die ueber die strukturellen Routinen von Politik, Industrie und Oekonomie hinausreichen. Die kulturelle und individuelle Sphaehre koennte neue Handlungsraeume schaffen, um dem Klimawandel zu begegnen. Die Konferenz des Festivals nimmt ihren poetischen Ausgangspunkt im DEEP NORTH der Inuit-Kultur und erweitert die kuenstlerische, philosophische und geopolitische Wahrnehmung auf die digitalen Kulturen unserer Welt.
Die Konferenz beginnt am Donnerstag, den 29.01. um 13 Uhr und endet am Samstag, den 31.01 um 18 Uhr. Am Sonntag, den 01.02 ab 11 Uhr erfaehrt das Haus der Kulturen der Welt eine performative Transformation zum House of Happiness durch die brasilianische Kuenstlergruppe Descentro. Alle Konferenzveranstaltungen finden im Auditorium statt, der Eintritt betraegt 9 bzw. ermaessigt 7 Euro. Der Brico Brunch findet im Restaurant des HKW statt. Karten koennen ab dem 15.01. im Vorverkauf erworben werden. Die Konferenz der transmediale.09 findet durch die Unterstuetzung und in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale fuer politische Bildung statt.
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2. Hot Spots
Hot Spots sind gesonderte Veranstaltungen in denen Konferenz und Salon sich inhaltlich verbinden. Strategien und Praxisansaetze fuehrender Kuenstler und Designer werden hier vertieft. Die kuenstlerische Praesentation findet thematisch im Rahmen des jeweiligen Konferenz- bzw. Salon-Tages statt.
Hotspot 1: Marko Peljhan
Arktische Kultur - Vision einer geokulturellen Rueckbesinnung
Do, 29.01. 18.30 Uhr
Die Arktis ist in ihrer zentralen Bedeutung als geokulturelles Gebiet unseres Planeten nach wie vor verkannt. Einerseits herrscht die Illusion eines grenzenlosen Ortes vor, dessen Ressourcen fuer den globalen Energiebedarf verfuegbar werden. Diese Fortschreibung ruecksichtsloser und verheerender Ausbeutungsstrategien des 19. und 20. Jahrhunderts kollidieren andererseits mit den weitsichtigen sozialen, kulturellen und raeumlichen Navigations- und Ueberlebenstechniken der arktischen Bewohner. Das Theater des geopolitischen Nordens, dessen Geschichte von Unternehmern, globalen Sicherheitsfirmen und Prognosen des Klimawandels bestimmt ist, steht einer geokulturellen Gemeinschaft der Rueckbesinnung und Anpassung gegenueber.
Hotspot 2: Territorial Agency (John Palmesino and Ann-Sofie Roennskog)
Escalation
Fr, 30.01. 10.30 Uhr
Taeglich werden die Charts des globalen Temperaturanstieg aktualisiert, erreichen uns Nachrichten ueber den Streit um die natuerlichen Ressourcen im Norden, erhoehtes Risiko fuer oekologische Mutationen, Hoheitsansprueche angrenzender Laender, die Entdeckung neuer arktischer Oelvorkommen, den oekologischen Gesinnungswandel multinationaler Konzerne oder immer neue Plaene, wie Transport und Logistik von Guetern effizienter gestaltet werden koennten. Hinter diesen 'Breaking News' wird ein Muster erkennbar, das bereits die konfligierende Kommunikationsarchitektur zwischen Ost und West im Kalten Krieg bestimmte. Die Eskalation erscheint als zentrale mediale, oekonomische und politische Strategie in der Darstellung und im Umgang mit dem Transformationsprozess im Norden. Waehrend die Eskalation im Wettlauf um die thermonukleare Aufruestung waehrend des Kalten Krieges vor allem eine Strategie der Abschreckung darstellte, laesst sich dieses Protokoll nicht mehr anwenden, um die sich veraendernden geoterritorialen Bedingungen zu erfassen und die politische Stabilitaet dieser Region aufrecht zu erhalten.
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3. Eroeffnung der Konferenz
Do, 28.01. ab 13 Uhr
Die Reflexe politischer und oekonomischer Technologien sind zu langsam, deren Arsenal zu einseitig und deren Instrumentarium zu unpraezise. Wenn die gegenwaertige Verteilung von Macht, Technologie, Innovation und Kritik wirkungslos bleibt, dann muss das Handlungsprinzip aus der politisch-oekonomischen in die kulturelle und individuelle Sphaere verschoben werden. Koennen wir den oppositionellen Diskurs von Aktivisten, Industrie und demokratischer Politik ueberwinden? Wenn ja, wie koennte eine solche Kooperation aussehen? Welche verbindende Sprache wuerde diese formulieren? Wie wuerde sie politisches, kulturelles und individuelles Handeln definieren? Was wuerde ihr Stabilitaet und Integritaet geben, damit auch andere diesem Beispiel folgen?
13 Uhr: Eroeffnungsvortrag
Claus Leggewie, KlimaKultur - Klimawandel als kultureller Wandel
14 Uhr: Eroeffnung der Konferenz
Rob van Kranenburg, Das Denken und das Handeln - Kulturelle Perspektiven im Wandel
14.30 Uhr: Diskussion
Kulturelles Denken und kosmopolitisches Handeln, mit Paul Quassa, Michel Tibon-Cornillot, moderiert von Rob van Kranenburg
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4. Politische Grenzen - Kulturelle Moeglichkeiten
Fr, 30.01. ab 12 Uhr
Nationalstaatliche Grenzen und Handelszonen bestimmen nach wie vor die Verteilung von Wissen und Technologie. Klimatische Veraenderungen nehmen darauf aber keine Ruecksicht. Entscheidend bei der Suche nach Strategien, diesem umfassenden Wandel zu begegnen, ist die Notwendigkeit, rentable Geschaeftsmodelle in den Prozess der globalen Industrialisierung einzuflechten. Haben wir aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und koennen wir diese Erfahrungen in transnationale und transkulturelle Klimainitiativen und Geschaeftsmodelle umwandeln? Und was koennen wir umgekehrt von den improvisierten und informellen Strukturen der Kleinunternehmer in Lagos oder Bangladesh lernen?
Teil 1 (12 Uhr): Diskussion mit Claudia Kemfert und Lorenz Petersen, moderiert von Harald Welzer
Teil 2 (15 Uhr): Diskussion mit Atteqa Mailik, Binyawanga Wainaina und Yasir Husain, moderiert von Harald Welzer
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5. Klimawandel als geopolitischer Umbruch
Sa, 31.01. ab 10.30 Uhr
Manchmal treten Ereignisse ein, die die Lebensumstaende in einer Epoche fuer immer veraendern. Ereignisse wie der Fall der Mauer, die kubanische Raketenkrise oder 9/11 hatten gleichermassen reale wie symbolische Auswirkungen auf die Vorstellungskraft der westlichen Zivilisation. Deren soziale, geopolitische und kulturelle Folgen haben unsere Welt fuer immer veraendert. Wie kommt es, dass diese Ereignisse trotz aller Strategien, Szenarien, Aufzeichnungs- und Auswertungssysteme so unvorhersehbar bleiben? Gibt es irgendeine Form ethischer oder moralischer Teleologie in diesem globalen, klimakulturellen Transformationsprozess? Was bedeutet es, Klimawandel als einen kulturellen Wandel aufzufassen? Wie koennte sich eine solche Verschiebung in der Psychologie der Wahrnehmung langfristig auswirken? Koennen wir schon sehen wie alles enden wird?
10.30 Uhr: Einfuehrender Vortrag von Sheila Jasanoff
Die Professorin fuer Wissenschaft und Technologieforschung an der Havard University spricht ueber den Wandel der politischen Kultur im Kontext globaler Transformationsprozesse.
13 Uhr: Diskussion
Klimawandel im Kontext geopolitischer Umbrueche mit Endre Kiss, Lutz Dammbeck und Victor Nemchinov, moderiert von Rob van Kranenburg
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6. Umwelt und Gesellschaft 2.0
Sa, 31.01. 16 Uhr
Umwelt und Gesellschaft 2.0 versucht, das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Gesellschaft, Natur und Technologie zu entschluesseln. In einer Zeit, in der sich durch die Technologisierung das Verhaeltnis der Menschheit zur Natur und zur sozialen Umgebung auf solch radikale Weise veraendert, muessen wir nach einer kreativen, interdisziplinaeren Praxis suchen, die in soziale Formationsprozesse eingreifen und diese mitgestalten kann. Kuenstlerische, politische und soziale Interventionsstrategien sind notwendig, um den sich veraendernden Bedingungen nicht nur ausgeliefert zu sein, sondern diese aktivistisch mit gestalten zu koennen.
Mit Andrea Polli, Usman Haque, Jochen Richters (tbc), moderiert von Drew Hemment
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7. House of Happiness Brunch - Individueller Wandel in einer digitalen Kultur
So, 01.02. 11 Uhr
Was passiert, wenn Norden, Sueden, Osten und Westen ihre klimatische Festschreibung verlieren? Und was geschieht, wenn sich die geopolitischen Zentren aufloesen und an die Peripherie gedraengt werden? Houses of Happiness ist eine Initiative brasilianischer Kuenstler, Kuratoren, Technologen und Hacker, die zusammen wohnen, leben und arbeiten. Diese Gemeinschaft als soziale Mikrostruktur ist immer wieder Ausgangspunkt fuer die Projekte der Kuenstlergruppe Descentro. Das Projekt Houses of Happiness ist eine temporaere, performative Wohngemeinschaft, die sich in ihrer Arbeit mit oekologischen und kosmologischen Bedingungen auseinandersetzen, sich den Moeglichkeiten der Natur anpassen und Technologie als Antennen des Wandels begreifen.
Musik, Essen, Performances und kritische Diskussionen sind der Treibstoff fuer diese Vision einer kosmopolitischen Gemeinschaft. Sie sind eingeladen, an dieser performativen Transformation der brasilianischen Kuenstlergruppe Descentro teilzunehmen und mitzuwirken. Mit Saskia Sassen, Francis Kere, Scott Lash, Isaac Mao, Lamis Saidi u.a.
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8. Interventionen zwischen Kunst, Industrie und Politik
Podiumsdiskussion (auf Deutsch), Sonderveranstaltung
Mi, 28.01. 16 Uhr
Ressourcen und traditionelle Energietraeger sind limitiert, die Warnsignale der
Klimaerwaermung werden immer eindringlicher. Wie steht es aber um den Umgang mit Werten und der Verantwortungsbereitschaft in unserer Gesellschaft? Welche Freiraeume werden Innovationen und neuen Ideen in der heutigen Wirtschaft eingeraeumt? Welche Art von Fortschritt brauchen wir, welche Kommunikationskonzepte, um wissenschaftliche Erkenntnisse transparent und spuerbar zu machen?
Mit Staatssekretaer Michael Mueller, Bernd Wiemann (Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung Vodafone Germany) und dem Kuenstler Hermann Josef Hack.
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transmediale.09
DEEP NORTH
festival for art and digital culture berlin
http://www.transmediale.de
info@transmediale.de
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