Newsletter: Ausstellung
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Newsletter vom 05.01.2009
transmediale.09
DEEP NORTH
28.01. - 01.02.2009
Haus der Kulturen der Welt
Berlin, John-Foster-Dulles-Allee 10
Ausstellung
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1. Survival and Utopia: Visions of Balance in Transformation
2. Kuenstler und Werke der Ausstellung
3. Weitere Orte: CHB - Corpora in Si(gh)te, [DAM]Berlin - NON Maschinen
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1. Survival and Utopia: Visions of Balance in Transformation
transmediale Award exhibition 2009
Die Ausstellung der transmediale.09 zeigt ein Spektrum von kuenstlerischen Positionen und Erkundungen auf die vielfaeltigen und haeufig widerspruechlichen Szenarien des Klimawandels. Von den 26 Arbeiten der Ausstellung sind fuenf fuer den transmediale Award 2009 nominiert, der am 31.01.2009 verliehen wird.
In Anspielung auf die juengeren Ereignisse an den Polkappen und deren globale Auswirkungen versucht die Ausstellung Strategien aufzuzeigen, die einem Gefuehl der Machtlosigkeit angesichts eines gravierenden Wandels etwas entgegen setzen. 'Survival and Utopia: Visions of Balance in Transformation' geht mit einer Reihe von interdisziplinaeren kuenstlerischen Arbeiten, die unsere digitale Kultur und ihre technologischen Bedingungen reflektieren, Visionen und Kritik fuer ein kulturelles Umdenken nach. Durch die eigens dafuer entworfene Festival-Architektur des Berliner Bueros raumtaktik (Friedrich von Borries und Matthias Boettger) ist die Ausstellung Teil des DEEP NORTH Szenarios einer fliessenden Zeitlichkeit, Dringlichkeit und strategischer Nachhaltigkeit.
Die Ausstellung bespielt die gesamte Flaeche im Haus der Kulturen der Welt (HKW), erweitert um eine ortsbezogene, generative Installation im Collegium Hungaricum Berlin (CHB) und eine Installation serieller Softwarekunst im [DAM]Berlin. Die Ausstellung im HKW ist nur waehrend des Festivals geoeffnet (28.01. - 01.02.2009, taeglich 10-22 Uhr), der Eintritt betraegt 5 bzw. ermaessigt 3 Euro.
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2. Kuenstler und Werke der Ausstellung
Perry Bard, Man With A Movie Camera: The Global Remake, us 2007 ongoing
Nominiert fuer den transmediale Award 2009
Die Arbeit fordert zu einem kollaborativen, Web-basierten Montage-Experiment auf: Analog zu Dziga Vertovs gleichnamigem Meisterwerk von 1929 koennen TeilnehmerInnen ueberall auf der Welt eigenes Material hochladen, welches neben das Original gestellt wird. Mittels einer speziellen Software wird die Dauer der Darstellung an die der Originalszenen angepasst und errechnet aus den juengsten Uploads jeden Tag ein neues Video.
Federico Bonelli, ICE, nl/no 2008
Die Installation ICE basiert auf einer Technologie, die Bilder anhand eines bestimmten Algorithmus stetig veraendert. Auf mehreren Monitoren koennen die Betrachter die Transformation von Fotos, die eigens fuer diese Arbeit im Norden von Norwegen aufgenommen wurden, nachvollziehen. Besonders die spezifischen Eigenschaften und die Beschaffenheit von Eis wird dabei sichtbar.
Petko Dourmana, Post Global Warming Survival Kit, bg/de 2008
Nominiert fuer den transmediale Award 2009
Die interaktive Multimedia-Installation besteht aus einer Zwei-Kanal-Projektion, die Infrarotaufnahmen der Nordsee als postapokalyptische Landschaft zeigt, die fuer den Besucher aber ausschliesslich durch Nachtsichtgeraete sichtbar sind. Die Installation basiert auf der Annahme, dass im Fall eines 'nuklearen Winters', die Faehigkeit mittels Infrarot-Technik zu sehen nuetzlicher und wichtiger als das 'normale' Sehen sein wird.
Urs Dubacher, specialita di silicio, ch 2008
Zentraler Gegenstand der performativen Installation ist eine mobile Kueche, aehnlich einem Imbissstand, in der Urs Dubacher defekte Bestandteile von Computerhardware einschmilzt und zu real anmutenden kulinarischen Gerichten verarbeitet. Er bezieht sich damit auf die Entsorgung von Elektronikprodukten und ihre implizite Absurditaet und Schnelllebigkeit.
Marco Evaristti, Trilogy, 2004-2007
Die Arbeit 'Trilogy' umfasst drei Projekte, in denen sich Evaristti mit den Themen Territorium und staatlich begrenzte Hoheitsgebiete auseinandersetzt. 2004 realisierte er das 'Ice Cube Projekt', fuer das er in einer performativen Aktion einen Eisberg vor der Kueste Groenlands rot faerbte und ihn als seinen Staat bezeichnete. 2007 gestaltete er eine aehnliche Aktion, indem er Teile der Spitze des Mont Blanc unter einem roten Tuch verdeckte und sie zu seinem eigenen Territorium erklaerte. Komplementiert wurde die Triologie mit einer Aktion in der Sahara, in der er ebenfalls einen eigenen 'Staat' erschuf.
Christian Guetzer, Grow - Fruits of Kronos, at 2007
Die Installation - durch einen sich stetig veraendernden Algorithmus kontrolliert - veraendert die Position einer Pflanze in Abhaengigkeit zu einer feststehenden Lichtquelle. Unter normalen Bedingungen waechst die Pflanze in Richtung der Lichtquelle und gegen die Erdanziehungskraft. In Guetzers Installation werden diese beiden Komponenten stetig veraendert und in der physischen Praesenz der Pflanze visualisiert.
Graham Harwood, Richard Wright, Matsuko Yokokoji, Tantalum Memorial, uk 2008
Nominiert fuer den transmediale Award 2009
Die Telefon-Installation ist ein Denkmal fuer die drei Millionen Toten aus den Kongo-Kriegen des letzten Jahrzehnts um den Rohstoff Tantal, der fuer den Bau von Mobiltelefonen benutzt wird und wertvoller ist als Gold. Gleichzeitig inszeniert die Installation moegliche Kommunikationsmittel fuer eine kongolesische Diaspora, die fuer die verlorene Heimat anonym bleiben muessen.
hehe.org, Nuage Vert, fr 2008
Eine Lichtinstallation auf Industrieabgasen kann die Oeffentlichkeit alarmieren und Menschen davon ueberzeugen, gaengige Konsummuster zu aendern. Im Februar 2008 wurde die Dunstwolke eines Kohlekraftwerks in Helsinki mit einer leistungsstarken gruenen Laserinstallation beleuchtet. Die Projektion diente als Skala fuer den Energieverbrauch in Finnlands Hauptstadt, der durch die Perfomance drastisch reduziert wurde.
Nan Hoover, Doors, de 1981
Die Videoinstallation ist das Ergebnis eines DAAD Stipendiums, das Nan Hoover 1980 erhielt. Die Kuenstlerin sagte ueber ihr Werk: 'It reflects quietness, using slow movement to catch the gradual changes in light, colour, and form. I attempt to transport one into an area within ourselves where we can dream and explore our personal worlds.' Nan Hoover lernte Malerei an der Corcoran Gallery Art School in Washington D.C. bevor sie 1975 begann, sich mit Video, Performance und Fotografie zu beschaeftigen. Neben ihrem kuenstlerischen Schaffen hielt sie eine Professur an der Kunstakademie Duesseldorf und an der Rietveld Akademie in Amsterdam. Hoover starb im Juni 2008 in Berlin.
Sebastjan Leban, Stas Kleindienst, Barons, si 2008
Die Installation beschaeftigt sich mit dem Zugang zu Trinkwasser. 'Barons' bezeichnet eine fiktive Wasser-Marke, die in ihrer realen Praesentation dem Betrachter die Beziehung zwischen der oekonomischen Vermarktung und der katastrophalen Versorgungssituation in vielen Teilen der Welt deutlich macht.
Jana Linke, Click & Glue, de 2007
Vier von der Decke haengende Metallwaende definieren einen Raum, in dem sich ein mit Helium gefuellter Latexballon bewegt. Der Ballon kommt in Beruehrung mit den ihn umgebenden Waenden, wo er Klebepunkte hinterlaesst, an denen die Schnuere haften bleiben. So entsteht ein immer dichter werdendes Netz, das den Ballon allmaehlich fesselt.
Alice Miceli, inverse square, by 2008
Die Videoinstallation ist Teil von Micelis Tschernobyl-Projekt, eine Fortsetzung der Arbeit 'The Invisible Stain'‚ die bereits auf der transmediale.08 zu sehen war. 'inverse square' basiert auf Aufnahmen des explodierten Reaktors Nummer vier und thematisiert die sich exponentiell ausdehnende Dynamik, die durch radioaktive Verseuchung in der Sperrzone um Tschernobyl entstanden ist.
Christian Niccoli, planschen, de 2008
Das Video setzt sich metaphorisch mit der 'lost in space'-Situation junger, in Berlin lebender AuslaenderInnen im Alter zwischen 25 und 38 Jahren auseinander. Ihre Situation zeichnet sich durch das Fehlen von stabilen Bindungen, in Beruf wie Familie, aus.
Charly Nijensohn, Beyond the End - The Polar Project, gl 2006/2007
Das Projekt umfasst ein Serie von Videos und Fotografien, denen in Groenland gewonnenes Material zugrunde liegt. Dargestellt werden Mitglieder der Inuit Gemeinschaft, die allein auf Eisschollen stehen und in die offene und abgeschiedene Wildnis der Arktis treiben. Die Arbeit reflektiert nicht nur die taeglichen Herausforderungen, denen der arktische Mensch ausgesetzt ist, sondern stellt darueberhinaus Grundfragen zu Lebensperspektiven.
Michiko Nitta, Extreme Green Guerillas, uk 2007
Nominiert fuer den transmediale Award 2009
Nittas Projekt spitzt gruene Tendenzen zu: Die 'Extreme Green Guerillas' bilden ein Netzwerk aus Menschen, die sich selbst versorgen und ihren Lebensstil auf extreme und absurde Weise zugunsten der Umwelt einschraenken.
Fernando Jose Pereira, remoteness, pt 2008
Die Video Installation basiert auf Bildern einer Webcam, die in einem abgelegenen Dorf im Norden von Island installiert ist. Durch Komposition und Manipulation der Aufnahmen wirft Pereira Fragen zur Notwendigkeit von Kommunikation, Ueberwachung und Existenz unter extremen Bedingungen auf.
Esther Polak, NomadicMilk, nl/ng 2008
Das Projekt vergleicht den Vertrieb und Verkauf von Milchprodukten unterschiedlicher Haendler in Nigeria: Mit Hilfe von GPS Geraeten werden die Fahrtwege von den als Nomaden lebenden Fulani mit denen eines Milchproduktionsunternehmens nachvollzogen und verglichen. Unter Verwendung eines speziell fuer diesen Zweck konzipierten Roboters, werden die gewonnenen Daten in feine Sandlinien umgesetzt, die als 'Sandkarte' auf dem Boden sichtbar werden.
Andrea Polli, Sonic Antarctica, us 2008
Die live Performance und Sound-/Videoinstallation basiert auf Material, das Polli waehrend eines Forschungsaufenthalts in der Antarktis aufzeichnete. Zu hoeren sind Kompositionen aus Geraeuschen am geografischen Suedpol, von Industrieanlagen und Interviews mit Wetter- und Klimaforschern.
Reynold Reynolds, Six Apartments, de 2007
Nominiert fuer den transmediale Award 2009
Die Videoinstallation portraitiert sechs Menschen in ihren Wohnungen, die isoliert voneinander leben, jedoch durch die Massenmedien Radio und Fernsehen miteinander verbunden sind. Ihre eintoenigen Tagesablaeufe werden von Nachrichten ueber bevorstehende Umweltkatastrophen ueberlagert, aendern jedoch nicht das Verhalten und die Wahrnehmung der einzelnen Bewohner.
Axel Roch, Ambigious Signalscapes, de/uk 2006
In der interaktiven Installation werden mittels eines 'eye-tracking-systems' die Augenbewegungen des Betrachters festgehalten und aufgezeichnet. Der Betrachter kann durch die Bewegung seiner Augen stetig neue Bilder von Wolken oder Landschaften produzieren.
Jan-Peter Sonntag, AMUNDSEN / I-landscape de/no 2003-2008
Die interaktive Sound- und Videoinstallation konfrontiert durch psychoakustische Paradoxie und ist Teil aus Sonntags Zyklus 'almost cinema works'. Das Filmaterial stammt von der norwegischen Kueste, aus der Umgebung des Hauses von Polarforscher Amundsen. Auf einem Sockel stehend lassen sich die Fimaufnahmen betrachten und der Sound durch Kopfhoerer erfahren. Gleichzeitig produziert der Sockel tiefe Toene, die durch den Koerper der Besucher absorbiert werden.
Antoine Schmitt, Time Slip, fr 2008
'Time Slip' basiert auf einer Software, die von Nachrichtenagenturen herausgegebene Nachrichten umwandelt. Veraendert wird dabei nicht der Inhalt, sondern die Zeitform der verwendeten Verben - so als ob die geschilderten Ereignisse in der Zukunft stattfinden wuerden. Schmitt greift die philosophische Frage der Vorbestimmtheit des Schicksals auf, indem er dem Zuschauer das Gefuehl gibt, in die Zukunft blicken zu koennen.
Emma Wieslander, Glacier 60000, uk 2007
Die Videoarbeit ist eine experimentelle Annaeherung an bildhafte Darstellungen durch moderne Technologie. Wieslander ist an Transformationen von der dreidimensionalen zur zweidimensionalen Darstellungsebene interessiert. Sie setzt sich mit Sichtbarkeit und Wandel von Landschaften, besonders beeinflusst durch Kultur und Technologie, auseinander.
Marina Zurkow, The Poster Children, us 2007
Menschen und Eisbaeren teilen sich eine dystopische Landschaft aus sich langsam bewegenden Eisbergen und Elektromuellhalden. Basierend auf einer Computeranimation werden in der panoramaartigen Darstellung ueber mehrere Monitore die beiden Gruppen, die an obersten Stelle der Nahrungskette stehen, dargestellt.
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3. Weitere Orte: .CHB & [DAM]Berlin
.CHB: Corpora in Si(gh)te
doubleNegatives Architecture (2007-2008)
Collegium Hungaricum Berlin, Dorotheenstr. 12
Eroeffnung am 26.01. 19.00 Uhr, zu sehen bis zum 08.03.
Die Kuenstlergruppe doubleNegatives Architecture (dNA) laesst ein maschenartiges virtuelles Netzwerk ueber und um das Gebaeude des Collegium Hungaricum entstehen. Sensoren nehmen die physikalischen Daten der Umgebung auf: Temperatur, Windrichtung, Geraeusche und Lichtverhaeltnisse. Die gesammelten Daten werden von einer Software uebersetzt und in Netzstrukturen umgewandelt. So kann der Zuschauer die klimatischen Veraenderungen der Umgebung anhand der sich wandelnden Struktur des Gebaeudes nachvollziehen.
Das japanisch-schweizerisch-ungarische Kuenstlerkollektiv dNA, 1998 von Sota Ichikawa gegruendet, besteht aus einem interdisziplinaeren Team aus Architekten, Designern, Musikern und Softwareentwicklern. dNA bedienen sich in ihren Projekten und Installationen verschiedener Medien- und Informationstechnologien und zeigen architektonische Visionen, basierend auf progressiven raeumlichen Konzepten.
http://doublenegatives.jp/
[DAM]Berlin: NON Maschinen
Christoph Korn, de 2008
[DAM]Berlin, Tucholskystr. 37
Eroeffnung am 26.01. 17.00 Uhr
Die NON-Maschinen sind Anwendungsprogramme, die die Aufmerksamkeit auf Aspekte wie Verlangsamung, Entnetzung, Wissensentzug, Agrammatikalitaet, Nicht-Funktionalitaet lenken. Fuenf der als Serie konzipierten Maschinen werden gezeigt:
Einfache Maschine, die sich nach elf Tagen automatisch abschaltet und in dieser Zeit nichts produziert / Einfache NEIN Maschine / Komplexere Maschine ohne Startknopf / Maschine, die innerhalb von drei Tagen bis fuenf zaehlt / Einfache Maschine, bestehend aus einen OFF Schalter
http://dam-berlin.de/
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transmediale.09
DEEP NORTH
festival for art and digital culture berlin
http://www.transmediale.de
info@transmediale.de
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