DEEP NORTH - Klimawandel bedeutet Kulturwandel

Blickt man über die Szenarien der Erderwärmung, steigender Meeresspiegel und Verwüstung hinaus, dann lautet die entscheidende Frage nicht in erster Linie, wie dies zu verhindern sei. Vielmehr ist es notwendig, die strukturelle Veränderung im Verhältnis von Natur, Kultur und Technologie zu betrachten.
Mit dem Festivalthema DEEP NORTH schaut die transmediale.09 im Jahr 20 nach der Wende auf den notwendigen globalen Kulturwandel, der aus dem Schmelzen der Polkappen erwachsen wird. Deutschlands größtes und bedeutendstes Festival für Kunst und digitale Kultur eröffnet am 27. Januar 2009 im Haus der Kulturen der Welt (John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin).
   
905 künstlerische Arbeiten aus 53 Ländern wurden zum Thema DEEP NORTH für den Wettbewerb der transmediale eingesendet. Am vergangenen Wochenende tagte eine internationale Jury, um die Nominierungen für den mit insgesamt 8.000 Euro dotierten transmediale Award 2009 auszuwählen. Der Preis wurde zum zweiten Mal gemeinsam mit dem club transmediale (CTM) ausgelobt, dessen Einreichungen zum Thema „Structures“ ebenfalls von der Jury beurteilt wurden.

Die Jury, bestehend aus Annick Bureaud (Paris), Bronac Ferran (London), Juha Huuskonen (Helsinki), Pooja Sood (Neu Delhi) und Christoph Tannert (Berlin), hat aus den Einsendungen acht Werke für den transmediale Award 2009 nominiert. Die Shortlist spiegelt die Bandbreite und Unterschiedlichkeit der Einreichungen wieder, wobei die künstlerische und konzeptuelle Qualität der Arbeiten für die Jury hauptsächlich entscheidend war (nominierte Arbeiten s. Rückseite).

Für den im vergangenen Jahr erstmals verliehenen Vilém Flusser Theory Award, der in Zusammenarbeit mit dem _Vilém _Flusser _Archiv an der Berliner Universität der Künste an exemplarische medientheoretische oder forschungsorientierte Werke vergeben wird und mit 2.000 Euro dotiert ist, werden die Nominierungen Ende Oktober auf der Website der transmediale bekannt gegeben (www.transmediale.de). Beide Preise werden in einer feierlichen Zeremonie am 31. Januar 2009 verliehen.

Die transmediale wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes

presse@transmediale.de
Annette Schäfer: 030-61 65 11 55 | Miriam Bax: 030-24 749 765
 
transmediale Award 2009 - Nominierungen:

Perry Bard (us) – Man with a Movie Camera: The Global Remake (2008)
Die New Yorker Videokünstlerin Perry Bard fordert mit ihrer Arbeit zu einem kollaborativen Experiment der globalen Montage auf: Analog zu Dziga Vertovs gleichnamigem Meisterwerk von 1929 können die Teilnehmer eigenes Material hochladen, das als Split-Screen Präsentation gegen das Original gestellt wird.

Ewen Chardronnet und Bureau d’études (fr) – The Laboratory Planet (2008)
Chardronnets „Laboratory Planet” entstand in Zusammenarbeit mit Polarforschern und Aktivisten: Eine Zeitschrift informiert über nukleare Geostrategien in der Arktis und die Website kartographiert militärisch-industrielle Komplexe auf der Welt.

Petko Dourmana (bg) – Post Global Warming Survival Kit (2008)
Die Multimedia-Installation (ein LED-Display, das nur mit digitalen Mitteln lesbar ist und eine Zwei-Kanal-Projektion, die Infrarot-Aufnahmen der Nordsee zeigt) stellt die Landschaft so dar, wie sie in einem post-apokalyptischen Szenario – nur noch mithilfe hochtechnologisierten Equipments wie Nachtsichtgeräten – wahrgenommen werden kann.

Graham Harwood, Richard Wright, Matsuko Yokokoji (uk) – Tantalum Memorial (2008)
Die Telefon-Installation ist ein Denkmal für die drei Millionen Toten aus den Kongo-Kriegen des letzten Jahrzehnts um den Rohstoff Tantal, der für den Bau von Mobiltelefonen benutzt wird und wertvoller ist als Gold. Gleichzeitig inszeniert die Installation mögliche Kommunikationsmittel für eine kongolesische Diaspora, die für die verlorene Heimat anonym bleiben müssen.

Hiroshi Matoba (jp) – Overbug (2008)
„Overbug“ ist ein Performance-Tool, mit dem sich Minimal-, Dance- und Pop-Musik komponieren lassen. Durch die Wiederholung und Neuanordnung von Klangbildern, genannt „Bugsounds“, entstehen komplexe, polyrhythmische Sounds.

Michiko Nitta (uk) – Extreme Green Guerillas (2007)
Nittas Projekt spitzt grüne Tendenzen ins Extreme: Die „Guerillas“ sind ein Netzwerk aus Menschen, die ihren Lebensstil zugunsten der Umwelt einschränken, beispielsweise die Nutzung von Internet oder Handy verweigern, um keine Großkonzerne zu unterstützen.

Rudolfo Quintas (pt) – Burning The Sound (2008)
Die interaktive Performance inszeniert die rituelle Geste des erhobenen Feuerzeugs: Hier löst das Licht eines regulären Taschenfeuerzeugs, das der Computer in Sound umwandelt, Klangfolgen aus und erweckt Instrumente zum Leben.

Reynold Reynolds (us/de) –­ Six Apartments (2007)
Das Split-Screen Video zeigt sechs Bewohner, die in ihren Wohnung isoliert voneinander leben, begleitet nur vom Ton aus Radio und Fernsehen. Eine poetische Erzählung von Hoffnungslosigkeit und Verfall in Zeiten dramatischer Ereignisse.

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