Was passt besser zu einem Festival, das durch und durch der Zukünftigkeit gewidmet ist, als der Glockenturm als traditioneller Zeitanzeiger? Einläuten wird die transmediale.10 deshalb der Musiker und Komponist Charlemagne Palestine mit seinem Konzert im Tiergarten Carillon unmittelbar neben dem HKW. Das Gebäude ist eines der weltweit grössten Carillons überhaupt und birgt ein einmaliges Hörerlebnis in Raum, Zeit und Geschichte.
The Long Conversion ist ein exklusiv im Rahmen der transmediale.10 entstehendes Hybrid aus Installation und Performance. Mittels einer speziell entwickelten Software nimmt die für den transmediale.10 Award nominierte Gruppe Sosolimited das zeitgleich im HKW Auditorium stattfindende experimentelle Symposium Futurity Long Conversation auseinander und setzt es anschließend so wieder zusammen, dass z. B. sprachliche oder inhaltliche Muster und Strukturen der Vorträge deutlich werden.
Der Klimawandel wird uns alle zu Nomaden machen, behauptet der Künstler Hermann Josef Hack.
Hermann Josef Hack wird zur tm.09 vor dem Brandenburger Tor und auf dem Alexanderplatz in Berlin ein Klimaflüchtlingslager mit ca. 400 von ihm gefertigten Miniaturzelten errichten.
Sonolevitation
Evelina Domnitch and Dmitry Gelfand with TeZ
"Die Erde ist die Wiege der Menschheit, doch es ist unmöglich sein ganzes Leben in einer Wiege zu verbringen." Diesen Ausspruch von Constantin Eduardovich Tsiolkovsky, einem russischen Raketeningenieur nehmen Evelina Domnitch und Dmitry Gelfand zum Ausgangspunkt ihre spekulativen Performance über die Aufhebung der Gravitation. Die Reduktion der Schwerkraft mag dabei emanzipatorische Assoziationen hervorrufen, doch sind solche Bedingungen in unserem Universum tatsächlich vorherrschend. Die einzige Möglichkeit, um Gase, Flüssigkeiten und Staubpartikel in einem Raumschiff zu transportieren ist ein Phänomen das als akustisches Schweben bezeichnet wird. In Domnitch und Gelfand's Version von Sonolevitation werden dünne Blättchen aus Gold von einer stehenden Welle akustisch in der Schwebe gehalten. Ein Mikrofon zeichnet die Modulation der hebenden Welle auf. Dabei hat die kleinste Veränderung in der Position der Goldblättchen hörbare Konsequenzen. Sonolevitation ist das erste Projekt der Künstler in einer Reihe zur Vorbereitung auf Umgebungen in der geringste Schwerkraft und nahezu Vakuum herrschen. Die Fähigkeit Kunstwerke an solchen Orten zu schaffen ermöglicht es, vollkommen unvorhergesehene optische und akustische Prozesse auszulösen.
Untitled Sound Objects
Pe Lang and Zimoun
Untitled Sound Objects umfasst eine Reihe von Arbeiten in denen Pe Lang und Zimoun die Eigenschaften von Klang, Materialien, Resonanzen und generativen Systemen erkunden. Vibrierende Motoren versetzen Glasplatten in Schwingung. Verschiedene darauf verteilte Materialien und Objekte erzeugen Töne, die anschließend prozessiert und verstärkt werden. Die Fragilität und Komplexität der entstehenden Klangarchitektur harmoniert mit der Eleganz und Einfachheit des Instruments. In der Entwicklung ihrer Musik interessieren sich Pe Lang und Zimoun für die Formbarkeit von Klang, die Konstruktion von Räumen und die Frage wie neue Dynamiken und Klangfarben mit einer Kombination aus digitalen und elektroakustischen Techniken erzeugt werden können.
Overbug ist ein Musikperformance-Tool, mit dem sich Minimal- und Dance-Musik komponieren lassen. Durch die Wiederholung und Neuanordnung von Klangbildern, genannt 'Bugsounds', entstehen komplexe, polyrhythmische Klänge. Dabei unterscheidet sich Overbug von herkömmlich linear ansteuerbaren Sequenzermodellen, die Klänge auf linearen Zeitleisten anordnen. Overbug verfolgt die Idee, dass das auditive Wiederholungsprinzip von Musikloops der visuellen Abstraktion kreisenden Bewegungen entspricht, demzufolge ist das Interface von Overbug aus Kreisformen gebildet ist.
Paralel Head
Ryoichi Kurokawa
Parallel Head ist aus gefilmten Szenen, Animationen, Feldaufnahmen und generativem Klangmaterial komponiert. Ryoichi Kurokawa lässt sein Publikum in eine dichte, vielschichtige, dabei stets filigran wirkende Welt aus Klang und Licht eintauchen. In seinen präzisen Kompositionen versucht er Ton und Bild zu einer Einheit zu verschmelzen und synästhetische audiovisuelle Reize zu erzeugen. Parallel Head lotet die Grenzen kinematischer Erfahrung aus und erforscht eine mögliche Erweiterung der Wahrnehmung durch eine brillante audiovisuelle Sprache. Die Arbeit wurde als Installation und als Performance präsentiert, transmediale.09 zeigt sie live auf mehreren Bildschirmen und in Surround Sound.
Mortals Electric
Telcosystems
Mortals Electric ist eine Performance für eine Projektion und 5.1 Surround Beschallung. Mortals Electric zeigt langsam vorbei ziehende Wolkenformationen, übereinander geschichtete und pulsierende organische Strukturen, tiefes maschinisches Dröhnen und Wellen digitalen Rauschens. Mit Mortals Electric präsentieren Telcosystems eine neue audiovisuelle Reise. Über die letzten Jahre ist es der Künstlergruppe gelungen in ihren Performances eine enge Verschränkung von menschlichen Ausdrucksformen und dem programmierten Verhalten von Computern herzustellen. In der Interaktion mit ihren Maschinen kreieren sie eine Form von 'Live-Cinema', die Klang und Bild in einer einzigen räumlichen Erfahrung synthetisiert und dabei die Grenzen des menschlichen Wahrnehmungsapparates auslotet.